Bereits mit dem Beginn der Fotografie entwickelte sich fast zeitgleich auch die Bearbeitung der so entstandenen Bilder. Wurden in den frühen Anfängen der Bildbearbeitung noch feinhaarige Pinsel zur Nachbesserung von Konturen und Entfernung von Staubpartikeln verwendet, so benutzen professionelle Fotografen, aber auch Privatpersonen, heutzutage kostenlose oder kommerzielle Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop und können Fotos so nach Belieben verändern.

Gerade in den Massenmedien wie dem Fernsehen, Tageszeitungen und dem Internet ist die Manipulation von Fotos relativ weit verbreitet. Ab wann man hierbei von Manipulation sprechen kann, also ob es sich bereits bei der Entfernung von Staub und Kratzern auf einem Foto oder aber erst ab der direkten digitalen Veränderung, wie dem Entfernen von abgebildeten Objekten, um Manipulation handelt, ist selbst bei Redaktionschefs von Tageszeitungen und (wissenschaftlichen) Magazinen umstritten. In der Regel werden hier die unterschiedlichsten Ansichten vertreten. Als Richtlinie für den ethisch korrekten Umgang mit Informationen und Bilder hat der deutsche Presserat, in Zusammenarbeit mit den Presseverbänden, den sogenannten Pressekodex herausgegeben. Diesem kann man folgendes Zitat entnehmen:

[Zitat: Ziffer 2 – Sorgfalt: Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.]

Das wohl bekannteste Beispiel von professioneller Bildbearbeitung, im Zusammenhang mit der Berichterstattung aus einem Krisengebiet, ist das Foto eines US-Marines, der während  eines Manövers im Irak Zivilisten zur Deckung aufforderte, da der Gruppe ein unmittelbarer Beschuss durch die irakische Armee drohte. Mehrere Momentaufnahmen wurden von Brian Walski, zu dieser Zeit noch als Fotograf für die Los Angeles Times tätig, angefertigt. Zurück in den USA bearbeitete er die Bilder so, dass Gestik und Mimik des Soldaten heldenhafter dargestellt wurden. Auch die den Soldaten umgebenden Personen wurden digital bearbeitet.

[Zitat Walski, Brian: „Ich habe die ethische Frage nicht erörtert, als ich es tat. Ich suchte nach einem besseren Bild.“]

Aufgefallen ist dies lediglich einem aufmerksamen Leser, der bemerkte, dass beispielsweise Personen auf dem Bild mehrmals zu sehen sind. Walski verlor seinen Job bei der LA-Times unmittelbar nach Bekanntwerden der Fälschung. Sie verstieß gegen den Kodex der Zeitung.

Doch nicht nur in den Nachrichten führt die Fotomontage zu einer verzerrten Darstellung der Wirklichkeit. Kostenlose Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen immer mehr Privatpersonen die eigenen Aufnahmen beliebig zu bearbeiten und zu verändern. Dies hat natürlich den Vorteil, dass zum Beispiel unästhetische Hautunreinheiten auf Bewerbungsfotos oder dem Partybild mit der besten Freundin, auf dem eben diese wirklich super aussieht, kaschiert werden können. Wenn aber der Körper des unbeliebten Arbeitskollegen oder der strebsamen Mitschülerin aus der Klasse bis zur Unkenntlichkeit erstellt werden und diese Dateien dann möglicherweise noch im Internet veröffentlicht werden, dann handelt es sich hierbei sogar um eine Art von Cyber-Mobbing. Cyber-Mobbing – das ist das systematische Mobben (~Schikanieren, Piesacken) ein oder mehrerer Personen mit Hilfe von modernen Medien, also dem Internet oder aber auch mit dem Handy per SMS. Die Europäische Union stellte im Rahmen des Safer Internet Day 2009 das Video „Stop Cyber-Mobbing“ kostenlos zur Verfügung, welches bereits erfolgreich in das Reklameprogramm zahlreicher Fernsehsender integriert worden ist.

Der Folgen der digitalen oder analogen Nachbearbeitung und Veröffentlichung von Fotos sind sich sowohl Journalisten als auch privaten Internetnutzern häufig nicht bewusst. So können neben arbeitsrechtlichen sogar zivil- und strafrechtliche Konsequenzen die Folge von unerlaubter Bearbeitung und Darstellung von Fotos sein. Wenn die Persönlichkeitsrechte eines Betroffenen verletzt werden, hat dieser Anspruch auf Schadensersatz.

Abschließend sollte nicht unerwähnt bleiben, dass natürlich jeder Fotograf selbst für sich entscheiden sollte, wie weit er bei der digitalen Nachbereitung seiner Bilder gehen möchte. Wichtig ist, dass die Persönlichkeitsrechte von Menschen gewahrt werden und Geschehnisse der Realität entsprechend, mit Hilfe von möglichst unveränderten Aufnahmen, dokumentiert werden können. Junge Teenager müssen sich der Tatsache bewusst werden, dass Cyber-Mobbing dieselben und wenn nicht sogar schwerwiegendere Auswirkungen auf die Psyche der  betroffene Person haben kann. Gerade weil das Internet von vielen Usern nach wie vor als ein rechtsfreier Raum betrachtet wird, kann Material, dass einmal hochgeladen wurde, nahezu beliebig oft kopiert und an Andere verschickt werden kann. Und all diese Videos wieder zu entfernen, kann sich als ein äußerst schwieriges Unterfangen herausstellen.

Quellen:

  • heise.de             Trinkwalder, Andrea: Wenn Pixel lügen: Bildoptimierung oder Fälschung?                                                       (20.09.2008) (im Internet: http://www.heise.de/foto/artikel/Wenn-Pixel-luegen- Bildoptimierung-oder-Faelschung-226920.html)
Advertisements