„Das Ende der Privatheit?“

Gläserne Menschen und mündige User – Chancen und Risiken in der Mediendemokratie

Ob der ungehemmte Austausch in sozialen Netzwerken, Videokameras am Arbeitsplatz oderstaatliche Gefahrenabwehrpläne durch den so genannten „Bundestrojaner“ – Privatheit und Eingriffe in diese sind überall ein stark diskutiertes Thema. So findet zum Beispiel Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Privatsphäre nicht mehr zeitgemäß und proklamiert „Das Ende der Privatheit“. Folgen Facebook und andere Onlinecommunities also nur einem veränderten Sozialverhalten oder ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen?

Wie definiert sich in der heutigen Mediengesellschaft der Begriff „privat“?

Wie viel Privatsphäre brauchen wir heute? Wo beginnt und endet die freiwillige Preisgabe privater Informationen? Wie viel Privatheit lässt die Gesellschaft, lassen Wirtschaft und Staat zu? Täglich bewegen wir uns im grosszügig videoüberwachten öffentlichen Raum oder überlassen als pay-back-KartennutzerInnen der Wirtschaft unsere Einkaufsprofile. Vorratsdatenspeicherung und Persönlichkeitsrechte sind weitere Themen, die zur Diskussion stehen.

Andererseits ergeben sich im Web 2.0 ganz neue Chancen für unser privates Handeln.

Jedem ist es möglich, sich scheinbar grenzenlos eigene soziale Netzwerke zu schaffen. Nie war es so einfach als Privatperson Öffentlichkeit für eigene Meinungen und Forderungen herzustellen, sich selbst über seine Webseiten ein positives Image zu schaffen oder gar mit mehreren Web-Identitäten unterwegs zu sein. Bedeuten diese neuen technischen Möglichkeiten und damit verbundenen Verhaltensformen eine Demokratisierung der Gesellschaft? Führen sie eher zum Verlust demokratischer Prinzipien, zu denen auch der gesetzliche Schutz von Privatsphäre gehört? Was heißt Privatheit im virtuellen Raum und im real life? Das Seminar sucht im Spannungs- und Konfliktfeld von individuellen, wirtschaftlichen und staatlichen Interessen nach Fragen und Antworten auf sich verändernde Beziehung von Privatheit und Gesellschaft in der Mediendemokratie und betrachtet sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Ergebnisse mit der medialen Auseinandersetzung werden zum Seminarende vor Gästen präsentiert und im Internet veröffentlicht.

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